Wir nehmen unserer grünen Lunge die Luft zum Atmen

Sowohl die Bedeutsamkeit des Amazonas Regenwaldes als auch seine Gefährdung sind uns allen bewusst. Trotzdem erreichen Abholzungen einen Höchststand nach dem anderen und Besserung ist nicht in Sicht. Woran liegt das? Was sind die Folgen? Und was können wir dagegen unternehmen?

Faszination Amazonas Regenwald

Es gibt viele Gründe, aus denen der Amazonas Regenwald zu den Weltwundern der Natur zählt. Hier die prägnantesten:

Tierartenvielfalt

Jede zehnte der uns bekannten Tierarten findet im Regenwald ihr Zuhause. Das macht dieses Ökosystem zu dem Vielfältigsten der ganzen Welt.

Foto von Diego Guzman auf Unsplash

Die niedlichen Totenkopfäffchen fühlen sich im Amazonas Regenwald noch wohler als auf der Schulter von Pippi Langstrumpf.

Foto von vladimircech auf Freepik

Für den Jaguar ist der Amazonas Regenwald der letzte ruhige Ort in Mittel- und Südamerika.

Foto von Ryk Porras auf Unsplash

Wie diese zwei Schönheiten sind erwachsene Amazonenpapageien generell in Paaren unterwegs. Daher vermutet man, dass sie langfristige Beziehungen eingehen.

Grüne Lunge

Seinen Spitznamen bekommt der Regenwald daher, dass er der weltweit größte CO2 Speicher ist und 20 % des gesamten Sauerstoffs unseres Planeten produziert.

Pflanzenvielfalt

Im Amazonas Regenwald leben mehr als 40.000 verschiedene Pflanzenarten. Hierunter befinden sich zahlreiche, die vielversprechend für die Entwicklung von Arzneimitteln und die Erforschung von Zivilisationskrankheiten sind. Im Regenwald könnte also gerade der nächste Wirkstoff gegen Diabetes in die Höhe wachsen!

Regenversorger

Last but not least, die Bäume des Regenwaldes verdampfen sehr viel Wasser und erzeugen so Regen. Der versorgt nicht nur der Wald selbst, sondern auch große Teile Südamerikas und verhindert Dürren. Kannst Du Dir vorstellen, dass es hier ohne Regenwasser Wüsten gäbe?

Nach diesem kleinen Einblick in die Schatzkammer des Amazonas Regenwaldes nun aber die traurige Realität:

Jährlich werden 13.000 km2 Regenwald gerodet!

In der Zeit, in der Du über die Schönheit dieses Waldes gelesen hast, ist er um ca. 50 m2 kleiner geworden.

Seit Jahren brennt in Brasilien, Bolivien und Peru unsere grüne Lunge ohne, dass ihr zwischendurch eine Verschnaufpause gegönnt wird. Diese Entwicklung ist nicht neu, hat unter dem brasilianischen Präsidenten Jair Bolsonaro aber unkontrollierte, vorher nicht gekannte Dimensionen angenommen. Illegale Brandlegungen und Raubbau sind leichter als je zuvor.

Die Organisation ACELPA schützt den peruanischen Regenwald vor solch illegaler Entwaldung. Hier kannst Du lesen, wie wir ACELPA darin unterstützen.

Doch weshalb wird der Regenwald zerstört? Hinter den Rodungen steckt wirtschaftliches Interesse. Die abgeholzten Flächen werden zu 75% als Viehweiden genutzt oder für den Anbau von Soja, das als Viehfutter gebraucht wird. Zudem werden Staudämme aus Holz gebaut und Rohstoffe, wie zum Beispiel Öl, Gold und Kupfer, auf den gerodeten Waldflächen abgebaut.

Hier eine Veranschaulichung der aktuellen Ausmaße: am 22. August 2022 zeichneten Satelliten der brasilianischen Behörde INPE 3.358 separate Feuer im Amazonas Regenwald auf. Das ist eine Steigerung von 22% zum Vorjahr! An dieser Stelle ist es interessant zu erwähnen, dass Feuer im Amazonas Regenwald gar nicht natürlich auftreten. Aufgrund der hier herrschenden hohen Feuchtigkeit braucht es immer menschliches Zutun. Solche Feuer dienen als Deckmantel für illegale Rodungen.

Einige letzte wichtige Zahlen, die uns die Problematik vor Augen führen. Laut INPE wurden innerhalb der letzten 40 Jahre ca. 17% des Amazonas Regenwaldes abgeholzt. Verglichen zu der Menge Wald, die noch steht, wirkt diese Zahl nicht allzu erschreckend. Gefährlich wird es, wenn der sogenannte Kipppunkt erreicht ist. Von da an verliert der Regenwald seine Fähigkeit, CO2 aufzunehmen, und gibt sogar welches frei! Dieser Kipppunkt wird erreicht, sobald schätzungsweise 20% bis 25% des Amazonas Regenwaldes gerodet sind. Daher werden die derzeitigen Rekord-Abholzungen als der Anfang vom Ende gesehen.

Der WWF hat diese hilfreiche Graphik zur Kettenreaktion am Amazonas erstellt. (Copyright WWF Deutschland, 2015)

Wir steuern auf den Kipppunkt zu

Das klingt gruselig – aber was genau hat es zufolge?
Wie thematisiert, verhindert das durch den Regenwald produzierte Regenwasser Dürren. Diese würden sich ohne den Wald häufen und zu Missernten, Trinkwasser- und Nahrungsmittelknappheit führen.

Auch die einzigartige Artenvielfalt würde und wird bereits zerstört: Schätzungsweise rottet die Abholzung des Regenwaldes täglich bis zu 1.000 verschiedene Spezies aus.

Noch weitreichendere Folgen hätte aber der Verzicht auf unsere grüne Lunge. Der Regenwald hat geschätzt so viel Kohlenstoff aus der Atmosphäre gebunden, wie auf der ganzen Welt in 10 bis 15 Jahren als CO2 freigesetzt werden. Das Abbrennen des Regenwaldes würde diese Milliarden Tonnen gespeichertes CO2 freisetzen.
Zusätzlich käme es zu natürlichen Bränden, wenn hier nicht mehr genug Regen produziert wird. Diese Kombination würde den Klimawandel akut befeuern.

Dazu fiele natürlich die unvergleichbare Kapazität des Amazonas Regenwaldes, CO2 aus der Atmosphäre zu ziehen, weg. Die Folgen (weltweiter Temperaturanstieg, Anstieg des Meeresspiegels, Gletscherschmelze, Trinkwasser- und Nahrungsmittelknappheit, Klimaflüchtlinge) kennen wir.

Puh, das macht ganz schön wütend.

Den Regierenden, Staaten, und Landwirt:innen vor Ort die Schuld in die Schuhe zu schieben ist aber zu einfach. Die wirtschaftlich schwachen Länder hier stehen im Schatten unserer großen Industrienationen. Unsere Politiker:innen, sowie wir als Konsument:innen, sind mitverantwortlich, und vor allem fähig, die finanziellen Anreize für die Abholzung des Amazonas zu nehmen.

Es folgt also die wichtige Frage:

Was können wir tun?

Wir haben Dir hier Möglichkeiten zusammengeschrieben, mit denen Du sowohl im Alltag als auch darüber hinaus zum Schutz des Amazonas Regenwaldes beitragen kannst:

  • Lass‘ in Deiner nächsten Mahlzeit das Rindfleisch und Milchprodukte (Lebensmittel, für deren Produktion der Amazonas abgeholzt wird) weg. Falls Dir das schwerfällt, kannst dem Regenwald einen Gefallen tun, indem Du diese Produkte bei lokalen Biomärkten einkaufst.
  • Halt‘ beim Einkaufen Ausschau nach Palmöl in der Zutatenliste und benutze gleichwertige Produkte, die kein Palmöl enthalten.
  • Ein bisschen kaffeesüchtig sind wir alle, daher sollten wir beim Kauf darauf achten, dass der Kaffee klimafreundlich angebaut wurde. Dies erkennst Du anhand des Fairtrade und/ oder EU Bio-Logo:
Fairtrade seal
Das Fairtrade Siegel
EU Bio-Logo
Das EU Bio-Logo

Fall‘ hier jedoch nicht auf die eigenen „Öko“-Siegel von großen Kaffeemarken rein, deren Richtlinien sie selbst festlegen.

  • Auch beim Kauf von Kakao und tropischen Früchten solltest Du auf ein Nachhaltigkeitssiegel achten. Für Kakao gibt es zusätzlich zum Fairtrade Siegel auch eins von der Rainforest Alliance:
Rainforest Alliance Fairtrade seal
Das Fairtrade Siegel der Rainforst Alliance
  • Falls Du Grillkohle benutzt, achte darauf, dass sich keine Tropenhölzer einschleichen. Die Grillkohle trägt dann einen entsprechenden Aufdruck. Das FSC-Siegel ist leider nur bedingt verlässlich.
  • Ähnliches gilt für Leder, Holz, Papier- und Zellstoff. Wenn Du schon kaum Papier benutzt, weil Du Deine Notizen auf dem Handy machst, denk‘ doch drüber nach, waschbare Lappen anstelle von Küchenpapier und recyceltes Toilettenpapier zu benutzen. Und wenn es das nächste Mal an der Zeit ist, Holzmöbel auszutauschen, setze auf heimische Holzarten oder spare sogar noch Geld, indem Du nach gebrauchten Möbeln suchst.
  • Folge indigenen Influencer:innen, wie z.B. @alice_pataxo, @jessicakumaruara oder @cunhaporangaoficial. Auf diese Weise erhältst Du Einblicke in deren Leben mit dem Regenwald und lernst, wie die Natur auf nicht zerstörerische Art genutzt werden kann.
  • Werde aktiv!

Spende z.B. für Amazonasprojekte von WWF oder NABU International. Auch wir haben ein Projekt zum Regenwaldschutz in Peru, das sich über Deine Unterstützung freut.

Nimm‘ außerdem an Petitionen zum Regenwaldschutz teil und erzähle Menschen aus Deinem Umfeld, wie sie den Regenwald schützen können!

Letzte Worte der Ermutigung

Wie Du merkst, sind diese Tipps hauptsächlich auf Dein individuelles Verhalten bezogen. Falls Du bezweifelst, was Deine Taten als Einzelperson bewirken können, kannst Du Dir folgende Punkte vor Augen führen:

Erstens: Die Nachfrage bestimmt das Angebot. Wenn weniger konventionelles und mehr recyceltes Toilettenpapier gekauft wird, kommt das bei den Produzent:innen an.

Zweitens bist Du mit Deinem (Konsum)Verhalten auch direktes Vorbild für andere. Wenn Du bei dem nächsten gemeinsamen Abendessen eine vegetarische Lasagne auf den Tisch stellst, essen an diesem Abend fünf weitere Leute kein Fleisch (oder drei, je nachdem, wie groß Deine Lasagne ist)! Zwei erstklassige Beispiele des Schneeballeffekts!

Wir können zusammenfassen, dass die Tier- und Pflanzenvielfalt des Regenwaldes und seine Fähigkeiten, Kohlenstoff zu speichern, Sauerstoff zu produzieren und Regenwasser zu erzeugen, ihn zu einem einzigartigen Ökosystem machen. Trotzdem wird er tagtäglich abgeholzt, um Viehweiden, Sojafelder und Staudämme entstehen zu lassen oder, um Rohstoffe zu gewinnen. Bald löst das eine Kettenreaktion aus, die den Regenwald von einer CO2 Senke zu einer CO2 Quelle macht und den Klimawandel akut beschleunigt. Um das zu verhindern, können wir durch kleine Verhaltensänderungen einen beachtlichen Beitrag zum Schutz des Amazonas Regenwaldes leisten.

Lass uns zuletzt gerne wissen, was Du zu dem großen Thema Amazonas Regenwald denkst! Oder hast Du weitere Tipps und Erfahrungen, dann sprich uns gerne über das Kontaktformular dazu an.

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Blogartikel verfasst von Emily Waltermann

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