Erschwinglicher Wohnraum

In Deutschlands Großstädten herrscht eine Wohnungskrise, die vor allem durch einen Mangel an bezahlbarem Wohnraum, Schrumpfung des Sozialwohnungsbestandes und darüberhinaus Verfestigung von Armut geprägt und gefördert wird. Dabei trifft es insbesondere Menschen im Niedriglohnsektor – Menschen, die Transferleistungen beziehen, anerkannte Geflüchtete und Alleinerziehende. Die Nachfrage nach Ein- bis Zweizimmerwohnungen (etwa 17,3 Millionen) übersteigt das vorhandene Angebot (etwa 5,4 Millionen) enorm. Ein Ende der angespannten Situation ist mit dem steigenden Bedarf und den unzureichenden Gegenmaßnahmen nicht in Sicht.

So wird auch Kritik am Bund laut, der die länderunterstützenden Mittel für sozialen Wohnungsbau 2020 und 2021 mit jeweils einer Milliarde Euro niedriger gestaltet als in den Vorjahren. Erschwerend kommt hinzu, dass die Bundesregierung seinen selbstgesteckten Zielen aus dem Jahr 2017 hinterherhinkt. Das betrifft sogar den Wohnungsbau ohne Sozialbindung. Dem jährlichen Bedarf von 80.000 bis 100.000 neuen Sozialwohnungen sowie weiteren 100.000 bezahlbaren Wohnungen steht gemäß Koalitionsvertrag das Ziel von 375.000 neuen Wohnungen pro Jahr gegenüber. Tatsächlich wurden 2017 jedoch nur 285.000 neue Wohnungen geschaffen (27.000 neue Sozialwohnungen schon eingerechnet).

 

Immer häufiger sehen sich auch Haushalte mit mittlerem Einkommen beim Zugang zu Wohnraum in städtischen Ballungsgebieten Schwierigkeiten gegenüber. Das Haushaltseinkommen ist häufig zu niedrig, um die am Markt gegebenen Mietpreise stemmen zu können. Oftmals ist geeigneter Wohnraum – Bedürfnisse, Größe und Ausstattung betreffend – überhaupt nicht mehr verfügbar, was vornehmlich kinderreiche Haushalte, Alleinerziehende und Menschen mit Behinderung vor ernste Hürden stellt. Aufgabe der sozialen Wohnraumförderung ist es eigentlich, genau diesen Gruppen unterstützend beim Zugang zu Wohnraum zur Seite zu stehen. Da es nicht genügend bezahlbaren Wohnraum gibt und Bund und Länder keine ausreichenden Verbesserungsmaßnahmen treffen, möchte der Stifter seinen Teil zur Verbesserung der Lage beitragen, indem er Mietwohnungen aus dem Stiftungsbestand für soziale Zwecke bereit stellt. Eine Wohnung wurde der Koepjohann’schen Stiftung bereits zur Verfügung gestellt und eine weitere Wohnung wird bald folgen. Die Koepjohann’sche Stiftung bietet vor allem Anlaufstellen für Frauen – darunter schutz- und obdachbedürftige Alleinerziehende und Opfer häuslicher Gewalt. Auch der Verein Hestia, in dessen Trägerschaft sich Zufluchtswohnungen, eine Wohnungsvermittlung für Frauen in Gewaltsituationen und ein Frauenhaus befinden, wird bisweilen mit Wohnraum bedient.
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