Erschwinglicher Wohnraum

In Deutschlands Großstädten herrscht eine Wohnungskrise, die vor allem durch einen Mangel an bezahlbarem Wohnraum, Schrumpfung des Sozialwohnungsbestandes und darüber hinaus Verfestigung von Armut geprägt und gefördert wird. Dabei trifft es insbesondere Menschen im Niedriglohnsektor – Menschen, die Transferleistungen beziehen, anerkannte Geflüchtete und Alleinerziehende. Vor zweieinhalb Jahren kam von Horst Seehofer das Versprechen, die sogenannte „Wohnraumoffensive“, bis zum Ende der Legislaturperiode 1,5 Millionen neue Wohnungen zu bauen. Dazu gab es fünf Milliarden Euro für sozialen Wohnungsbau, was 115.000 Wohnungen ermöglichen soll. Kürzlich folgte ein äußerst positives Fazit über die gesteckten Ziele. Ende 2021 werde man die 1,5 Millionen Wohnungen erreicht haben. Zudem stellen 300.000 neue Wohnungen trotz Pandemie in 2020 einen Rekord dar.

Massive Kritik gibt es von Immobilien- und Sozialverbänden sowie von der Opposition. Es gäbe Versäumnisse bei der Wohnungsbauförderung und bei der Sicherung bezahlbaren Wohnraums. Täglich verlieren hunderte Wohnungen die Sozialbindung, alle 12 Minuten eine Wohnung. Zu wenig neue Sozialwohnungen können dem nicht die Waage halten. Laut den Grünen müssten demnach bestehende Sozialwohnungen besser geschützt werden. Zwischen 2002 und 2019 sind 1,2 Millionen Sozialwohnungen vom Markt verschwunden, was einem schlimmen Versagen der Bundesregierung gleichkommt. Außerdem explodieren Mietpreise und Durchschnittsverdiener:innen haben am Wohnungsmarkt immer weniger Chancen. Vor allem in Ballungsräumen spitzt sich dieser Zustand zu. Oftmals ist geeigneter Wohnraum – Bedürfnisse, Größe und Ausstattung betreffend – überhaupt nicht mehr verfügbar, was vornehmlich kinderreiche Haushalte, Alleinerziehende und Menschen mit Behinderung vor ernste Hürden stellt.

Den überfüllten Ballungsräumen stehen knapp 2 Millionen leerstehende Gebäude in Kleinstädten und ländlichen Räumen gegenüber. Dort ist der Wohnraum oftmals noch bezahlbar. Deshalb verlangt der Deutsche Städte- und Gemeindebund eine stärkere Förderung dieser Standorte. Generell wirken sich häufende Regulierungen und ansteigende Bürokratielasten abschreckend auf viele Kleinvermieter:innen aus. Über 20.000 verschiedene Vorschriften lähmen potenzielle Bauvorhaben. Internationale Fondsgesellschaften drängen in den Markt und vertreiben private Vermieter:innen als Eigentümer:innen. Der Wohnungsmarkt ist stark gefährdet. Zentrum der Kritik ist Innenminister Horst Seehofer, der aktuelle Baumaßnahmen und Baugenehmigungen in seine Statistiken inkludiert und damit die Zahlen beschönigt. Bis zum Ende des Jahres 2021 wird es wohl geschätzt nur 1,2 Millionen Neubauwohnungen geben.

Da es nicht genügend bezahlbaren Wohnraum gibt und Bund und Länder keine ausreichenden Verbesserungsmaßnahmen treffen, möchte die Daniel Schlegel Umweltstiftung einen Teil zur Verbesserung der Lage beitragen, indem frei werdende Mietwohnungen aus dem Stiftungsbestand zu moderaten Mietpreisen bereitgestellt werden. Eine Wohnung wurde der Koepjohann’schen Stiftung zur Verfügung gestellt. Die Koepjohann’sche Stiftung bietet vor allem Anlaufstellen für Frauen – darunter schutz- und obdachbedürftige Alleinerziehende und Opfer häuslicher Gewalt. Auch der Verein Hestia, in dessen Trägerschaft sich Zufluchtswohnungen, eine Wohnungsvermittlung für Frauen in Gewaltsituationen und ein Frauenhaus befinden, wird bisweilen mit bezahlbarem Wohnraum bedient.

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