Wohnungslosenhilfe

Über das gesamte Jahr 2018 gesehen waren ca. 678.000 Menschen in Deutschland ohne Wohnung. 4,2% Anstieg zum Vorjahr bedeuten zudem eine überproportionale Entwicklung. Eine Jahresgesamtzahl ist natürlich deutlich höher als eine Stichtagszahl, aber dafür ist das Ergebnis auch aussagekräftiger, da die tatsächliche Zahl der von Wohnungslosigkeit im Verlauf eines kompletten Jahres betroffenen Menschen gemessen wird.

In Berlin fand in der Nacht vom 29. zum 30. Januar 2020 die bundesweit erste systematische Zählung der Wohnungslosen durch Freiwillige statt. Dabei wurden 1976 Obdachlose erfasst, wobei die Dunkelziffer deutlich höher liegen dürfte.

Bis dato gab es lediglich grobe Schätzungen, die sich im Bereich um die 6.000 – 10.000 bewegten. Während die Selbstvertretung wohnungsloser Menschen die Zahlen als unrealistisch einstufte und kritisierte, dass Schaffung von mehr Wohnraum für die Betroffenen wichtiger sei, als sie zu zählen, sieht die Politik die Ergebnisse als Grundlage für verbesserte Hilfsangebote. In diesem Zusammenhang wurde durch Bundesminister Hubertus Heil ein sogenanntes Wohnungslosenberichterstattungsgesetz auf den Weg gebracht. Ein erster Regierungsentwurf vom September 2019 kann auf der Seite des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales eingesehen werden. Die Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe e.V. hatte eine solche Maßnahme seit vielen Jahren gefordert.

Hinzu zum grundsätzlichen Mangel an Wohnraum und überteuerten Wohnungen kommt der Umstand, dass wohnungslose Menschen häufig stigmatisiert und ausgegrenzt werden. Um diesen Umstand zu bekämpfen braucht es Instrumente und Maßnahmen durch die Kommunen. Denkbar und realistisch sind beispielsweise Bindungen und Quotierungen im Sozialwohnungsbestand für vordringlich Wohnungssuchende.

Da die Wohnungslosenzahlen steigen und Bund und Länder keine brauchbaren Lösungsvorschläge bringen, möchte die DSUS ihren Teil zur Verbesserung der Lage beitragen, indem Mietwohnungen aus dem Stiftungsbestand für soziale Zwecke bereitgestellt werden. Eine Wohnung wurde der Koepjohann’schen Stiftung bereits zur Verfügung gestellt. Die Koepjohann’sche Stiftung bietet vor allem Anlaufstellen für Frauen – darunter schutz- und obdachbedürftige Alleinerziehende und Opfer häuslicher Gewalt. Auch der Verein Hestia, in dessen Trägerschaft sich Zufluchtswohnungen, eine Wohnungsvermittlung für Frauen in Gewaltsituationen und ein Frauenhaus befinden, wird bisweilen mit Wohnraum bedient.

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